Offener Bücherschrank


Offener Bücherschrank in Ueberau

Schon oft wurde im Ort darüber gesprochen, Ueberau braucht einen Offenen Bücherschrank. Und wie das in Ueberau so ist, fanden sich spontan viele Helfer.

Acht Ueberauer Frauen nahmen das Projekt mit Hilfe eines Ueberauer Bürgers, der den Stellplatz zur Verfügung stellte, eines ortsansässigen Schlossermeisters, der die alte Telefonzelle spendete und die Frauen tatkräftig beim Umbau derselben unterstützte, in Angriff. Ein Landwirt aus dem Ort half beim Transport genauso wie die Firma Caparol aus Ober-Ramstadt, welche die Farbe spendierte. Mit mehr oder weniger handwerklichem Geschick, viel Enthusiasmus und Spaß rückten die Ueberauerinnen und ihre Ehemänner der alten Holzzelle zu Leibe.

Nun ist es fast geschafft und am Freitag, dem 26.04.2013 um 17.00 Uhr (Bushaltestelle Schule) soll der offene Bücherschrank für alle Bürger zugänglich gemacht werden. Alle Ueberauer sind dazu herzlich eingeladen!

Dies ist ein "Offener Bücherschrank" und es gibt nur wenige Regeln:



Diese "historische Telefonzelle" wurde für das Projekt "Offener Bücherschrank" umgearbeitet.


Die Mit-Initiatorin Steffi Stuckert


Das Team des Offenen Bücherschranks


Die Einweihung am 27. April 2013


Roter Bücherschrank für das "rote Dorf"

AKTION Der Tausch von Lesestoff in einer alten Telefonkabine wird in Ueberau von acht Frauen möglich gemacht

VON CHARLOTTE MARTIN - Darmstädter Echo 29. April 2013

UEBERAU. Acht Ueberauer Frauen haben in der Wilhelm-Leuschner-Straße einen offenen Bücherschrank installiert. Mit Enthusiasmus machten sie sich daran, eine Telefonkabine, die in der einstigen Poststelle des Dorfes stand, aufzumöbeln und umzufunktionieren.

Rot wie in London prangt eine Telefonkabine mitten im Ort: Telefonieren indes kann man dort nicht, doch wer Freude an Büchern hat, wird fündig. "Die alte Holztelefonzelle stand bis vor rund 15 Jahren in der ehemaligen Poststelle. Jetzt haben wir sie aufgemöbelt und zum offenen Bücherschrank umfunktioniert", erzählt Steffi Stuckert. Die Ueberauer Mama zweier Kinder ist Mitinitiatorin der pfiffigen Idee, die in gemeinschaftlicher Arbeit von acht Frauen umgesetzt wurde. Am Freitagnachmittag stießen die Damen mit vielen Bürgern vorm Bücherschrank in der Wilhelm-Leuschner-Straße auf ihr Werk an.

"Es ist vollbracht", freute sich Steffi Stuckert. 150 Bücher füllen in der roten Telefonzelle nun die Regale, die von der pensionierten Lehrerin Brigitte Kunze passgenau zurechtgesägt und eingebaut worden sind. "Wenn man hier in Ueberau eine Idee hat, die die Gemeinschaft fördert, trifft man ganz schnell auf Gleichgesinnte", erzählte Stuckert, die im "roten Dorf" - so genannt wegen des hohen Anteils an Kommunisten - seit 1991 heimisch geworden ist.

Sie gehört auch dem Arbeitskreis "Unser Dorf hat Zukunft" an, ist stolz, dass Ueberau 2012 den ersten Platz in gleichnamigen Hessenwettbewerb errang. "Im Juni kommt die Kommission des Wettbewerbs auf Bundesebene, an dem wir jetzt ebenfalls teilnehmen, zu uns. Da wollen wir vorher unser Dorf noch mit tollen Ideen hübschen", sagt Steffi Stuckert. Eine davon ist die des offenen Bücherschrankes. "Wir sind ein lesefreudiges Völkchen", so Stuckert. Man habe sich nach Bekanntmachung des Vorhabens vor Büchern kaum retten können, sagt sie und lacht. "Wenn wir gewollt hätten, wäre eine ganze Bücherstraße machbar gewesen."

Doch nun bleibt's erstmal bei der roten Kabine, die schmuckvoll und nostalgisch im Ortskern nahe der Grundschule ihren Platz hat. Romane und Sachbücher können von jedermann entnommen, verliehen, verschenkt oder nach dem Lesen wieder eingestellt werden. "Gut erhalten sollten die Bücher sein, die hier für alle zugänglich sind", sagt Stuckert. Im achtköpfigen Team der Frauen werde regelmäßig nach Ordnung und Sauberkeit im Bücherschrank geschaut.

In der alten Schlosserwerkstatt von Meister Bernd Hornung habe man die Telefonkabine gründlich restauriert und gestrichen. "Bernd hat auch ein Wellblechdach draufgesetzt. Nun kann's ruhig regnen - die Bücher nehmen keinen Schaden", sagt die junge Frau.

Dass man überhaupt ein solch originelles Kabinenmodell nutzen konnte, ist ebenfalls dem Schlossermeister zu danken, der die Kabine seit Schließung der Poststelle auf dem Dachboden aufbewahrt hat. Kurz: Aus Alt mach Neu ist in Ueberau trefflich gelungen.