Friedhofsroute


Auch das Dorf Ueberau beteiligt sich an der Planung und an den Vorbereitungen zum Thema "Friedhofsroute im Landkreis Darmstadt-Dieburg"

Ein Spiegel der Ortsgeschichte

Erinnerung - Eine Friedhofsroute nimmt die Besonderheiten des Landkreises in den Blick

- Artikel aus dem "Darmstädter Echo" vom 07. Februar 2013 -

Jeder Friedhof hat seine Besonderheiten. Eine Friedhofsroute soll das stärker ins Bewusstsein rücken.

Friedhöfe können ein Ort der Trauer sein. Sie können Assoziationen wecken - zum Beispiel von Nebelschwaden und Vampiren. Sie können aber auch ganz einfach die Geschichte eines Ortes erzählen. Wie zum Beispiel der Friedhof in Klein-Umstadt, dessen Wehrkirche ganz besonders ist und fest zur Dorf- und Siedlungsgeschichte gehört.

Oder der Friedhof in Ober-Ramstadt: Er ist der einzige, der um die Kirche herum evangelisch ist. Nach einem Stück Niemandsland schließt sich der kommunale Teil an. Alle anderen Friedhöfe im Landkreis sind ausschließlich kommunal. Oder der in Babenhausen, dessen 1861 erbaute klassizistische Leichenhalle als Bautyp im Kreis einmalig ist. Oder der in Brandau mit seiner auffälligen Kriegsgräberstätte.

"Es geht uns darum zu zeigen, dass Friedhöfe Kulturgut sind", sagt Annette Claar-Kreh vom Referat Gesellschaftliche Verantwortung im Dekanat Vorderer Odenwald. Im Kreis gebe es "kleine Schmuckstücke", ergänzt Kreisdenkmalpflegerin Angela Exo. Die Untere Denkmalschutzbehörde und das Regionalmanagement des Landkreises Darmstadt-Dieburg wollen mit einer 80 Kilometer langen Friedhofsroute die kleinen, ländlichen Friedhöfe stärker ins Bewusstsein rücken (wir haben berichtet). Träger ist das Evangelische Dekanat Vorderer Odenwald.

"Die Route funktioniert nur, wenn ein gewisses Engagement dahinter steht", sagt Claar-Kreh. Dafür braucht es Kümmerer. Bei einem ersten Treffen im Dekanat kamen in Groß-Umstadt unter anderem Bildhauer, Restauratoren, Soziologen, Vertreter der Heimat- und Geschichtsvereine, der Kirchengemeinden und des VdK zusammen. Mit dem Totensonntag 2014 steht schon ein Termin für die geplante Eröffnung.

Bis dahin gilt es, die Besonderheiten der einzelnen Friedhöfe herauszuarbeiten. Welche Kriterien sollen die Friedhöfe erfüllen? Denkbar ist, dass auf Persönlichkeiten hingewiesen wird, auf künstlerisch wertvolle Grabsteine, den ökologischen Nutzen von Friedhöfen als Rückzugsort für Vögel oder Pflanzen, auf die Symbolik der Grabsteine, aber auch auf Geschichten und Anekdoten rund um den Friedhof.

Da fällt dem Babenhäuser Stadtarchivar Georg Wittenberger gleich eine ein: Als seine Frau noch ein Kind war, sei die Großmutter immer mit ihr auf den Friedhof gegangen. Die Oma habe sich auf einer Bank ausgeruht, das Mädchen spielte zwischen den Gräbern - passieren konnte ja nichts, auf dem Friedhof dürfen schließlich keine Autos fahren.

Hinweistafeln auf den Friedhöfen soll es geben, Flyer sind geplant, Führungen, Informationen darüber, was die einzelnen Friedhöfe voneinander unterscheidet und was sie verbindet. "Am Friedhof zeigt sich Dorfgeschichte", sagt Werner Stoklossa, Bildungsreferent im Dekanat. Zwei Beispiele: Während im katholischen Dieburg viele Nonnen und Mönche begraben liegen, sind die Schlossbesitzer mit Groß-Umstadts Historie verwoben.

Nach den bisherigen Planungen umfasst der Rundweg die Friedhöfe Dieburg, Babenhausen, Groß-Umstadt, Schaafheim, Lengfeld, Hering, Ober-Klingen, Ueberau, Groß-Bieberau, Ober-Ramstadt und Roßdorf.

"Ich würde mir wünschen, dass das Ganze in einem größeren Rahmen stattfindet", sagt Wittenberger. Die Route könne beispielsweise mit der Fachwerk- oder der Kunststoffstraße verknüpft werde.

Götz Bormuth, Metallrestaurator aus Groß-Umstadt, würde sich wünschen, dass ein Bogen ins Hier und Jetzt geschlagen wird. "Die Grabanlagen sind heute relativ beliebig geworden und kaum noch ortstypisch", sagt er. Heute komme das Material aus China und Indien, ergänzt Bildhauer Albert Gansler.

Dass bislang ausschließlich Friedhöfe aus dem sehr viel ländlicheren Ostkreis bei der Route dabei sind, hat mit den Fördermitteln zu tun. Denn die Finanzierung soll aus Fördertöpfen für den ländlichen Raum erfolgen. Aber das sei nicht in Stein gemeißelt, sagt Angela Exo.

Das nächste Treffen ist am 6. Mai, 19 Uhr, im Dekanat Vorderer Odenwald, Am Darmstädter Schloß 2, in Groß-Umstadt.