Sportgemeinschaft "SG 1919 Ueberau"


Vereinschronik SG 1919 Ueberau
von Hans Hundsdorf, Festausschuß-Vorsitzender
(Auszug aus der Festschrift von 1979: "60 Jahre   1919 - 1979")

60 Jahre Vereinsgeschichte und Vereinsgeschicke sind es sicherlich wert, gerade wegen des Jubiläums sich einen Augenblick Zeit für einen Rückblick zu gönnen. Im Gegensatz zu einem Familienleben verläuft ein Vereinsleben in anderen Bahnen, viel komplizierter, viel aufregender und wechselvoller, einfach von anderen Aspekten bestimmt.

Die Gründer der Sportgemeinschaft 1919 Ueberau waren zwar in der Abwicklung sportlicher und kultureller Geschehnisse nicht unerfahren, weil sie vor der Vereinsgründung in dem Arbeitersportverein Reinheim-Ueberau tätig waren, aber die Bedingungen, unter denen die sportliche Betätigung verrichtet wurde, waren ungemein schwer.

Wirtschaftliche Not nach dem 1. Weltkrieg, Inflation und Arbeitslosigkeit prägten die damalige Zeit. Daß sich trotzdem viele Ueberauer Sportler mit gleicher Inter-essen-Zielsetzung zusammenfanden, um einen eigenen Verein zu gründen, war eine große Tat, der sich auch die Frauen der Vereinsgründer nicht verschlossen. So fand im Januar 1919 die Vereinsgründung statt. In der Gründungsversammlung wurde Karl Büdinger zum 1. Vereinsvorsitzenden gewählt. 2. Vorsitzender war Jakob Schwöbel und Schriftführer Fritz Füllhardt. Damit hatte der Verein, der in kein Vereinsregister eingetragen werden mußte, einen arbeitsfähigen Vorstand.

Alle Gründer sind bis heute verstorben, jedoch leben noch eine Reihe von Mitgliedern der ersten Stunde. Gründer waren u. a.: Karl Büdinger, Jakob Schwöbel, Fritz Füllhardt, Wilhelm Eckert, Joseph Schmidt, Fritz Volk, Georg Bender, Heinrich Meyer, Wilhelm Lang, Christian Fornoff. Philipp Borger übt heute noch als ältester Aktiver den Chorgesang. Mitglieder, wie Georg Bender, Fritz Volk und Adam Büdinger, der später 40 Jahre den Vorsitz inne hatte, prägten durch ihre Aktivität die Entwicklung des Vereins.

Der Verein nante sich zunächst „Arbeitersportverein Ueberau". Folgende Disziplinen wurden betrieben: Leichtathletik, Handball, Gesang, Theaterspiel und speziell Geräteturnen, wobei das Geräteturnen Sport Nr. l in Ueberau war und auch eine gute Turnerriege zur Verfügung stand.

So legten schon bei der Vereinsgründung im Jahre 1919 die Verantwortlichen großen Wert auf die Jugendarbeit, damit das sportlich Erworbene auch an die sporttreibende Jugend vermittelt werden konnte. Die ersten Sportgeräte wurden, da der Verein über keine finanziellen Mittel verfügte, durch eine Sammlung angeschafft. Barren und Reck wurden über einen Bekannten aus einer Sportgerätefabrik aus Leipzig billig erworben. Zwecks Anschaffung eines Pferdes waren die Vereinsmitglieder in der Hofreite Knell (Raabs) gemeinsam beim Rübenausmachen und Wiesenmähen tätig. Für den erzielten Erlös wurde ein Pferd gekauft, damit man neben Barren und Reck eine komplette Turndisziplin üben konnte, um wettkampffähig zu sein.

Der erste Turnübungsplatz war zwischen den Bächen an der Gersprenzbrücke Einfahrt Ueberau von Reinheim kommend, der dann später in den ,,Flutgraben" verlegt wurde, wo der heutige „Festplatz" ist. Ein Vereinsmitglied hatte seine dort gelegene Wiese als Übungsplatz zur Verfügung gestellt. Die Sportgeräte, wie Barren, Reck und Pferd mußten nach jeder Übungsstunde wieder abgebaut werden. Der Wegtransport war jedesmal mit vielen Schwierigkeiten verbunden, da man nicht über notwendige Transportmittel verfügte. Der Verein umfaßte bei 1200 Einwohnern von Ueberau bei der Vereinsgründung 150 Mitglieder, wobei Jugendliche und Kinder mit eingeschlossen waren.

An 2. Stelle der Sportbewegung in Ueberau stand die Leichtathletik. So konnte die damalige 100 m-Staffel mit Hans Walter, Georg Walter, Karl Meyer und Ludwig Pfaff achtbare Erfolge erringen, die bis zur Landesebene reichten und Ueberau über die Grenzen hinaus populär machten. Durch Spenden schaffte man eine moderne Stabhochsprungstange an, damit der talentierte Wilhelm Schüßler, der damals mit 3,60 Meter der überragende Springer auf den Sportfesten war, optimal und unter Wettkampfbedingungen trainieren konnte. Im Ergebnis konnte Wilhelm Schüßler den 4. Platz bei den deutschen Meisterschaften im Stabhochsprung erringen. Die damaligen Leistungen wären sicherlich noch besser ausgefallen, wären die Sportgeräte und Sporteinrichtungen so gewesen, wie sie der heutigen Jugend zur Verfügung stehen.

Die Theatergruppe wurde von Fritz Füllhardt geleitet. Mit ihr erwarb sich der Kulturbetrieb auch über die Grenzen von Ueberau hinaus einen guten Ruf. Zahlreiche Theaterstücke wurden in dieser Zeit aufgeführt. Die entsprechende Garderobe stellte jeder selbst, da der Verein keine, oder nur wenige Mittel zur Verfügung hatte. Echter Träger der Theatergruppe war die neu gegründete Gesangsabteilung. In der Gesangsabteilung waren sowohl theaterspielende Mitglieder tätig als auch von anderen Sportdisziplinen. Unter dem 1. Dirigenten Karl Hornung aus Spachbrücken, der im Hauptberuf „Spachbrücker Feldschütz" war, konnte die Gesangsabteilung auf Freundschafts- und Wertungssingen schöne Erfolge erringen. Die positive Entwicklung der Gesangsabteilung wurde mit dem nächsten Dirigenten Franz Rauch aus Ober-Ramstadt weiter vorangetrieben. In den Jahren 1927 - 1930 konnte die Gesangsabteilung des Vereins mit einem Chor von über 60 Mann aufwarten. Unter der Leitung von Chormeister Hans Lücker war das der stärkste Chor in der Vereinsgeschichte.

Aufgrund guter sportlicher Leistungen übertrug der damalige Arbeiter-Turn- und Sportbund die Ausrichtung eines Sportfestes dem jungen Sportverein aus Ueberau. Turner und Leichtathleten aus dem Sportunterbezirk Darmstadt/Dieburg/Erbach trafen sich daher im Juli 1923 zum sportlichen Wettkampf auf den Wiesen im „Briebel". Die meisten Ueberauer Sportler konnten an diesem Sportfest nicht teilnehmen, weil sie durch organisatorische Aufgaben gebunden waren. Alles was mit der Abwicklung zu tun hatte, mußte in eigener Regie durchgeführt werden. Bei diesem Sportfest wurde auch das 1. historische Fußballspiel zwischen Ober-Ramstadt und Babenhausen ausgetragen. Aus einem Acker wurde im Zuge von Notstandsarbeiten das jetzige Sportgelände hergerichtet, das nach 1945 noch zweimal erweitert wurde. Als Tore dienten eingegrabene Fichtenstangen. Jedoch erst im Jahre 1927 trat eine ständige Fußballmannschaft in Erscheinung. Mit dem Fußball, der nacheinander Leichtathletik und Handball verdrängte, erfuhr der Verein eine Aufwärtsentwicklung. Kurz vor 1933, als mit Hilfe einflußreicher Sportfunktionäre die Dezimierung der Arbeiter-Sportvereine begann, wurden viele Fußballabteilungen vom Spielbetrieb ausgeschlossen. Ausgeschlossene Mannschaften waren u. a.: Neustadt, Griesheim, Bickenbach, Mörfelden, Heusenstamm, Offenbach-Bieber, Vereine aus Darmstadt und Ueberau. Die ausgeschlossenen Mannschaften machten eine Spielrunde unter sich, um sich überhaupt in Wettkämpfen messen zu können.

Ein jähes Ende aller sportlichen Betätigungsmöglichkeiten wurde dem Verein 1933 auferlegt, als er durch die damalige „Verordnung zum Schütze von Volk und Staat" verboten wurde, das gesamte Vereinsinventar und -Vermögen beschlagnahmt und somit der Verein mit gewaltsamen Mitteln aufgelöst wurde.

Als einzige Betätigungsmöglichkeit nach 1933 verblieb den Sängern, indem sie sich in dem „Männergesangverein 1862 Ueberau" unter dem Dirigenten Karl Büchler betätigen konnten. Aber auch dieser Verein stellte mit Beginn des Krieges 1939 seine Tätigkeit ein.

Doch trotz nachfolgender Kriegswirren, die manchen Sportfreund und ehemaliges Vereinsmitglied nicht wiederkehren sahen, Not und Schmerz, Mangel und Entbehrungen, fanden sich 1945 wieder Sportfreunde, die durch Antrag bei der damaligen Militärbehörde die Wiederzulassung des Vereins erwirkten. Nur konnte der Verein durch damalige Erlasse nicht die alte Tradition fortsetzen und nannte sich zunächst „Sportverein 1945 Ueberau". Mit Adam Büdinger als 1. Vorsitzender nach dem Kriege wurden die Sparten: Fußball, Chorgesang, Schach, Theater und Leichtathletik betrieben. Der Fußball nahm einen steilen Aufstieg und bestimmte von nun an das Vereinsgeschehen, während die Leichtathletikabteilung nach etlichen Anläufen wieder einging. Hauptursache waren das Fehlen von entsprechenden Anlagen und Geräten, wobei auch diejenigen Sporttreibenden, die Leichtathletik vorrangig betreiben wollten, nicht genügend motiviert waren. Anders die Schachabteilung. Sie hatte ältere, erfahrene Spieler, die auch junge Talente begeistern konnten. Spitzenspieler Georg Borger spielte schon in einer Mannschaft aus Vertretern hessischer Schachspieler, die gegen den sowjetischen Großmeister Bogoljubow in der Ludwigshalle in Dieburg an 36 Brettern simultan spielten. Georg Borger gelang der einzige Sieg gegen den Schachstrategen aus der Sowjetunion. Talentierte Jugendspieler wie Willi Meyer, der hessischer Jugendmeister war, konnten von älteren Schachspielern angeleitet werden. Die Schachabteilung war auch kulturell tätig, indem sie immer den allseits beliebten und bekannten „Schachmaskenball" veranstaltete. Dieser Preismaskenball, sicherlich noch vielen in Erinnerung, war der Karnevalhöhepunkt im südlichen Kreis Dieburg. Die Schachabteilung wurde später mangels Beteiligung aufgelöst. Der letzte „Schachmaskenball" war im Jahre 1954. Ab 1956 wurde durch die Bildung einer Karnevalabteilung der „Schachmaskenball" durch Damen- und Herrensitzungen abgelöst. Ein späterer Anlauf, die Schachabteilung wieder ins Leben zu rufen, scheiterte mangels Beteiligung.


Die Schachmannschaft 1949

Die neugegründete Theaterabteilung wurde nach 1945 von Jakob Edelmann geleitet. Der Theaterabteilung schloß sich eine Tanzgruppe an, die von Frl. Paul bis zu „Spitzentänzen" trainiert wurde. Theaterabteilung und Tanzgruppe wurden später gemeinsam von Fritz Heiß betreut, der mit beiden schöne Erfolge erzielen konnte. Trotz sehr guter Laienspieler beendeten Theater- und Tanzgruppe ihre Tätigkeit, wobei die Tanzgruppe noch bei dem seit 1952 eingeführten Sommernachtfest der SG 1919 Ueberau einige Jahre im Programm mitwirkte.

Die Gesangsabteilung unter dem 1. Dirigenten nach dem Kriege, Hans Lücker, hatte guten Zuspruch und war mit der Theatergruppe der kulturelle Träger des Vereins nach 1945. Auch andere Spartenmitglieder waren als aktive Sänger tätig. Problematisch wurde es im Vereinslokal zur Germania in den Wintermonaten, da vor jeder Singstunde beizeiten der große eiserne Ofen angesteckt werden mußte, um überhaupt die Singstunde durchführen zu können. Bei extrem großer Kälte benutzten die Sänger einen Schulsaal. Schon in den frühen 50er Jahren machte sich das Fehlen einer entsprechenden Räumlichkeit für die einzelnen Sparten des Vereins bemerkbar. Nach kurzer Übergangszeit mit dem Lehrer Karl Büchler als Dirigent wurde als Chorleiter Wilhelm Kreisel aus Roßdorf im Jahre 1950 verpflichtet. Wilhelm Kreisel war ein treuer Dirigent für die folgenden 25 Jahre und vertrat mit dem Chor der SG 1919 Ueberau die Belange des Vereins in positiver Art. Die Gesangsabteilung erwarb sich durch ihre Beständigkeit auch über die Grenzen von Ueberau hinaus einen guten Ruf, ob bei Chorkonzerten, Wertungs- oder Freundschaftssingen. Weiterhin konnte bei jeder kulturellen Veranstaltung auf die Gesangsabteilung der SG 1919 gebaut werden. Sie sorgte mit ihren Chören und Liedern für den entsprechenden Rahmen. Schon im Jahre 1946 erfolgte der Zusammenschluß mit dem noch formal existierenden „Männergesangverein 1862 Ueberau". Aus dem Kriege zurückgekehrte Sänger des Männergesangvereins 1862 Ueberau betätigten sich als Chorsänger in der Gesangsabteilung der Sportgemeinschaft. Aus dem Chorgesang heraus bildete sich später eine Gesangsgruppe, genannt die „Schlagerfreunde", die anläßlich von Fest- oder Feierlichkeiten in Erscheinung treten. Vorläufer dieser Gesangsgruppe waren die „8 Jungsänger", die von dem heutigen Vizedirigenten Ludwig Ingold betreut und angeleitet wurden. Einen erheblichen kulturellen Beitrag leistet die SG 1919 Ueberau durch das alljährliche Sommernachtsfest, das erstmals im Jahre 1952 im Gemeindegarten abgehalten wurde. Da dieses Fest unter freiem Himmel stattfand, zweimal total verregnet war, so daß man in einen Saal ziehen mußte, entschloß sich der Vorstand, nachdem zunächst ein kleines Zelt auf der Straße aufgebaut war, dieses Sommernachtsfest nur noch in einem Zelt abzuhalten, nämlich auf dem Sportplatz. Seitdem erfreut sich das Sommernachtsfest der SG 1919 allgemein großer Beliebtheit und ist zum kulturellen Träger des Vereinslebens geworden.


Turnerriege aus dem Jahre 1919

Im Jahre 1959 wurde in der damaligen Jahreshauptversammlung aufgrund des bevorstehenden 40-jährigen Vereinsjubüäums der Verein umbenannt auf die Bezeichnung „Sportgemeinschaft 1919 Ueberau e.V." und somit der Vereinsname der ersten Stunde nach dem Kriege „Sportverein1945 Ueberau" aufgegeben, damit man die Tradition des Vereins pflegen konnte. Der langjährige l. Vorsitzende Adam Büdinger, selbst aktiver Leichtathlet und Chorsänger, hatte bis zu seinem Rücktritt aus Altersgründen im Jahre 1965 immer einen guten Mitarbeiterstab, der es ermöglichen half, die Geschicke des Vereins in seiner Vorwärtsentwicklung zu leiten und zu lenken. Ab 1965 bis 1977 übernahm Hans Altmeyer das Amt des 1. Vorsitzenden. In seine Amtszeit fällt vor allem der Bau des Sportheims im Jahre 1969 - 1970, das am 5. Dezember 1970 an den Verein übergeben wurde. Mit der Schaffung der eigenen Räumlichkeiten wurden neue Sparten, nämlich Frauen- und Kindergymnastik, gebildet. Auch die Tischtennisabteilung wurde neu forciert. Garde und Tanzgruppe konnten sich positiver in den eigenen Räumlichkeiten betätigen. Die Karnevalabteilung, die seit 1954 eine ständige Aufwärtsentwicklung erfuhr, man denke an die großen „Fremdensitzungen" im Saale „Zur Krone" zurück, ist durch die fehlende Kapazität im neuen Sportheim gehalten, ihre Sitzungen auf 2 - 3 mal durchzuführen, was sich für die Mitglieder der Karnevalabteilung oft erschwerend auswirkt. Neu hingegen ist seit 3 Jahren der Ueberauer Fastnachtszug, der dank guter Organisation zu einem echten Karnevalhit geworden ist. In der Jahreshauptversammlung im Frühjahr 1978 beschlossen die Mitglieder, das Sportheim in Bauabschnitten so zu erweitern, daß allen Sparten des Vereins sowohl für interne, als auch für externe Veranstaltungen genügend Räumlichkeit gegeben ist.


Kulturgruppe aus dem Jahr 1920

Jedoch der bestimmende Faktor im gesamten Vereinsgeschehen war nach 1945 der Fußball.
So nach und nach kamen junge und talentierte Spieler der älteren Jahrgänge aus dem Kriege und der Gefangenschaft zurück und wurden ergänzt durch Spieler, die der Krieg mit seinen Auswirkungen nach Ueberau verschlagen hatte. Mit diesem ersten Kader wurde eine Mannschaft formiert und schon im Sommer 1945 das erste Spiel gegen Georgenhausen ausgetragen. Viele Spieler wurden in der ersten Phase des Fußballs 1945 auf verkehrten Positionen eingesetzt, weil der Erfahrungswert über die optimalen Spielanlagen der einzelnen Spieler vollkommen fehlte. Es wurden Spieler zum Beispiel auf Linksaußen eingesetzt, die dort garnichts brachten, später aber im Abwehrzentrum zu den überragenden Stützen der Mannschaft zählten. Fußballschuh, Ball und Trikotbeschaffung waren in dieser Zeit sehr problematisch. Die Fußballer hatten insofern etwas Glück, daß sie in dem ausgebombten Herrn Hasslinger aus Offenbach einen Fußballmäzen gefunden hatten, der immer etwas „herbeischaffte".


Fußballmannschaft aus dem Jahr 1928

Gleich zu Beginn wurde auch der Jugendfußball forciert. In einer Jugend-und einer Schülermannschaft hatte jeder fußballbegeisterte Jugendliche die Möglichkeit, sich aktiv im Fußballgeschehen in Ueberau zu beteiligen. Die damalige Jugendmannschaft spielte einen erstklassigen Fußball und konnte im Bezirk Darmstadt den Titel eines Bezirksmeisters vor Darmstadt 98 und Germania Eberstadt erringen. Bei repräsentativen Fußballspielen, wie Darmstadt Stadt gegen Darmstadt Land auf der „Woogs-wiese" in Darmstadt, bestritt die Ueberauer Jugendmannschaft, durch einen Fehler der Organisation 2 Vorspiele, nämlich gegen Darmstadt 98, das mit 4:1 abgefertigt wurde und 10 Minuten später gegen den 1. FC Langen, der nochmals mit 1:0 geschlagen wurde. Diese Leistung wurde von den Zuschauern mit großem Beifall anerkannt. Bei Begegnungen wie SG Arheilgen - Eintracht Frankfurt und HassiaDieburg -Eintracht Frankfurt, oder FSV Frankfurt - Viktoria Aschaffenburg bestritt die Jugendmannschaft der SG Ueberau die Vorspiele, die allesamt gewonnen wurden. Aus dieser Jugendmannschaft kamen hervorragende Spieler für die aktive Mannschaft heraus, die sich bald einen guten Ruf erworben hatte.


Fußballmannschaft der SG nach dem Krieg

Ganz ohne Trainer hatte die SG Ueberau mit ihrer Fußballarbeit eine starke und einsatzfreudige Mannschaft geformt, die in der Spielrunde 1945/46 die Kreismeisterschaft im Fußballkreis Darmstadt erringen konnte. In den Spielrunden 1946/47/48 spielte die Mannschaft der SG Ueberau in der Bezirksklasse Odenwald, wo gute Tabellenplätze erreicht werden konnten. Es begann dann eine Neueinteilung in A-und B-Klassen. Ab 1949 spielte die SG Ueberau eine führende Rolle in der A - Klasse Dieburg, wo sie bis zum Jahre 1952 zweimal mit dem FV Eppertshausen um die Kreismeisterschaft spielte. Beide Spiele gingen damals verloren. 1952 stieß die Mannschaft der SG Ueberau im Bezirkspokal bis unter die letzten 4 vor, wurde aber schließlich von Nauheim 07 bezwungen. Im gleichen Jahr wurde unter den Tabellenzweiten der 5 A-Klassen eine Aufstiegsrunde zur Bezirksklasse Darmstadt ausgetragen. Der Aufstieg wurde jedoch nicht geschafft.

Mit einer stark verjüngten Mannschaft, viele ältere erfahrene Spieler hörten auf, mußte die SG Ueberau im Jahre 1957 aus der A-Klasse Dieburg absteigen. Sie schaffte jedoch schon im nächsten Jahr mit dem unverwüstlichen Adam Keller als Spielertrainer die Meisterschaft der B-Klasse Dieburg Gruppe Süd. Im damaligen Aufstiegsspiel gegen den B -Klassenmeister der Gruppe Nord, Offenthal, konnte man jedoch mit einem 0:1 auf eigenem Platz und einem l: l in Offenthal den Aufstieg nicht schaffen. Da die Mannschaft der SG Ueberau in der Neuformierung und in der Entwicklung eine gute Mannschaftsleistung brachte, gewann sie in der kommenden Spielrunde 1958/59 ungeschlagen den Meistertitel der B-Klasse Dieburg, stieg somit in die A-Klasse auf, errang auch sofort im nächsten Spieljahr die Meisterschaft in der A-Klasse Dieburg und spielte in der Spielrunde 1960/61 in der II. Amateurliga. Jedoch mit damals so kampfstarken Mannschaften wie Opel Rüsselsheim, FC Bensheim und Viktoria Urberach, konnte sich die SG Ueberau nicht messen und stieg wieder in der nächsten Spielrunde in die A -Klasse ab.

1963 wurde die Mannschaft der SG Ueberau 1919 durch die Gründung eines 2. örtlichen Fußballvereins enorm geschwächt, behauptete sich aber trotzdem noch 3 Jahre in der A-Klasse und stieg 1966 in die B-Klasse ab. Mit einer sehr jungen Mannschaft, die durch gute Jugendarbeit geschaffen werden konnte, aus einer Jugendmannschaft gingen 7 Erstmannschaft-Spieler hervor, scheiterte die SG Ueberau in der Spielrunde 1968/69 an der Mannschaft des SV Groß-Bieberau und belegte nur den 2. Tabellenplatz. Doch schon ein Jahr später, in der Spielrunde 1969/70 wurde mit nur 2 verlorenen Spielen und 2 Unentschieden die Meisterschaft errungen und somit wieder der Aufstieg in die A-Klasse geschafft.

Es verstand sich von selbst, daß die Fußballmannschaft der SG Ueberau in der Entwicklung nicht ohne Trainer sein konnte. Verschiedene Trainer arbeiteten im Laufe der Zeit mit wechselseitigem Erfolg, jedoch ausschlaggebend für Siege oder Niederlagen war weiter die Einstellung der Spieler zum Spiel und zum Verein. Wo der Wille zum absoluten Sieg vorhanden war, gab es Erfolge. In den folgenden beiden Jahren zeigte sich die Mannschaft der SG 1919 Ueberau als starke A - Klassenmannschaft und konnte in der Spielrunde 1972/73 die Meisterschaft in der A-Klasse ganz souverän gewinnen. Die Mannschaft übernahm schon am 4. Spieltag die Tabellenführung und gab sie bis zum Ende der Spielrunde nicht mehr ab. Die erste Niederlage war am 23. Spieltag mit 0:2 in Nieder-Klingen, die zweite Niederlage im 26. Spiel mit 1:2 in Schaafheim, wobei trotz der Niederlage aufgrund des überragenden Punktevorsprungs an diesem Tag die Meisterschaft errungen werden konnte. Seit der Spielrunde 1973/74 spielt die Mannschaft der SG 1919 Ueberau in der Bezirksklasse Darmstadt eine gute Rolle, war in der Spielrunde 1973/74 Herbstmeister und mußte auch einmal gegen den Abstieg kämpfen. Das entscheidende Spiel gegen Viktoria Urberach wurde jedoch gewonnen. So spielt die l. Mannschaft der SG 1919 Ueberau auch noch im Jubiläumsjahr in der Spielrunde 1978/79 in der Bezirksliga Darmstadt.

Mit 6 Jugendmannschaften, die dem runden Leder nachjagen, ist es um den Nachwuchs in der SG 1919 Ueberau nicht schlecht bestellt. Bei solch einem Nachwuchspotential kommen immer wieder einmal Spieler heraus, die fähig sind, in der l. Mannschaft zu spielen.

Es wäre jedoch all die Jahre ohne die tatkräftige Unterstützung des Spielausschusses nicht möglich gewesen, derartige Erfolge zu erringen. Deshalb sei den jeweiligen Spielausschüssen, die die Fußballverantwortung gegenüber dem Verein übernommen hatten, auch ein Denkmal in der Vereinschronik gesetzt, wobei Ball- und Platzwarten und all den Vereinshelfern, die in ihrer Freizeit ihrem Verein die notwendige Unterstützung gaben, ein Platz in der Vereinsgeschichte reserviert bleibt.

Mit heute über 670 Mitgliedern und den Sparten Fußball, Chorgesang, Tischtennis, Karneval, Frauen- und Kindergymnastik und einer Tanzgarde ist die SG 1919 Ueberau ein repräsentativer Verein, dessen Gründer von den heutigen sportlichen Möglichkeiten sicherlich fasziniert wären und die schließlich durch die Vereinsgründung im Jahre 1919 den Grundstein für alle sportlichen und kulturellen Erfolge in Vergangenheit und Gegenwart gelegt haben.