Kirche, Kultur und "sonstige Einrichtungen" - Die Freiwillige Feuerwehr



50-Jahrfeier der Freiwilligen Feuerwehr Ueberau
am 3., 4. und 5. Juli 54


Angeschmiegt an die sanften fruchtbaren Ausläufer des nördlichen Odenwalds, einige Minuten von der Stadt Reinheim entfernt, liegt das Dorf  Ueberau mit seinen 1.750 Einwohnern. Sein Name besagt, daß der Ort über dem Wasser der Gersprenz liegt (ubar=über, ouwe=fließen). Der Name Ueberau ist alemannischen Ursprungs, und da die Alemannen vor den Franken hier siedelten, ist anzunehmen, daß Ueberau älter ist als das benachbarte Reinheim. Infolge der günstigeren Lage haben dann die Reinheimer die Ueberauer überflügelt. Beim Eintritt in das Dorf genießt man nach Süden hin einen herrlichen Fernblick auf Schloß Lichtenberg, und von Osten her grüßt der trotzige Otzberg herüber ins Gersprenztal. Vom nahen Forstberg aus hat man einen herrlichen Fernblick in den Rodgau.

Bis in die Mitte des vorigen Jahrhunderts war Ueberau politisch nur ein Ortsteil von Reinheim mit gemeinsamer Verwaltung und einer gemeinsamen Gemarkung. Einmal soll auch vorgekommen sein, daß ein Ueberauer Bürgermeister der Stadt Reinheim wurde, da sich die Reinheimer bei der Wahl nicht einig waren (also waren die früher auch nicht besser als wie wir heute! d. Red.). Trotz der Trennung haben sich aber die freundschaftlichen, familiären und wirtschaftlichen Beziehungen beider Orte zu einander erhalten bis auf den heutigen Tag. Wir Ueberauer hoffen daher sehr stark, daß sich diese alten Beziehungen auch bei der Feier unseres Festes recht günstig auswirken mögen. Durch die Trennung von Reinheim wurde die schön abgerundete Gemarkung Reinheim-Ueberau zerrissen. Die Ueberauer erhielten das Land östlich, die Reinheimer den größeren Teil westlich der Gersprenz. Somit blieben die Reinheimer im Besitz des schönen Wiesengrundes an der Gersprenz. Auch der Wald wurde geteilt. Am Ortseingang von Ueberau liegt die alte Dieters-Mühle, die zu Reinheim gehörig, den Lichtstrom für Ueberau seit dem Jahre 1895 liefert. Ueberau war die erste Gemarkung in Starkenburg, die eine elektrische Lichtversorgung hatte.

Am 27. April 1904 gründeten die Bürger der selbständigen Gemeinde Ueberau nach Genehmigung des „Großherzoglichen Bürgermeisters von Ueberau" ihre Freiwillige Feuerwehr. Präsident wurde Georg Franz Ramge, I.Kommandant Friedrich Füllhardt, 2. Kommandant Philipp Röder. Letzterer erfreut sich heute noch bester Gesundheit. Einer der markantesten Kommandanten war lange Zeit der Bauer Gg. Leonhard Knell, der heute noch mit Recht als die Seele der Feuerwehr bezeichnet wird. Er arbeitet noch fleißig mit, und sein Rat wird noch gern und oft in Anspruch genommen. Dafür danken wir ihm recht herzlich. Recht herzlichen Dank auch unserem Herrn Landrat Gruber, der sich bereitgefunden hat, die Schirmherrschaft unseres Festes zu übernehmen. Die Vorbereitungen sind nun von dem Festausschuß trotz mancherlei Schwierigkeiten zum guten Ende geführt worden. Heute, Samstag Abend, begeben sich sämtliche örtlichen Vereine um 20 Uhr zur Lengfelder Straße. 20.10 Uhr ist Abmarsch zum Festplatz unter Vorantritt der verstärkten Kapelle Friedrich. Bei dem Festkommers wirken mit: die Gesangsabteilung der SG 45, die Sportjugend sowie die bekannte Ueberauer Tanzgruppe, anschließend Tanz auf der Festbühne. Der Sonntag beginnt mit dem Weckruf der Feuerwehr. Um 8.30 Uhr ist Festgottesdienst mit Totenehrung an dem Ehrenmal auf dem Friedhof. Anschließend findet eine Schauübung unter Mitwirkung des Roten Kreuzes statt. Um 10 Uhr stellt sich auf der Lengfelder Straße der Festzug auf. Begrüßungen, Ansprachen und Ehrungen derMitglieder erfolgen auf dem Festplatz. Abends ist Tanz auf der Festbühne. Ein geräumiges Zelt ist vorhanden. Das Jubiläum klingt aus am Montag, dem 5. Juli mit einem Frühschoppen um 10 Uhr auf dem Festplatz, einem Kinderfestzug um 14 Uhr mit anschließender Kinder- und Volksbelustigung. Um 20 Uhr spielt die Kapelle Friedrich nochmals zum Tanz auf.