Die Geistlichen der Pfarrei Reinheim vor der Reformation

Walter Hotz

Reinheimer Pfarrer und Altaristen vor der Reformation*

Bereits zu Beginn des 14. Jahrhunderts begegnet uns in Katzenelnbogischen Urkunden zwischen 1331 und 1337 der Mainzer Kanoniker Graf Gottfried von Waldeck als Inhaber der Pfarrei Reinheim 38). Nach seinem, vor dem 29. Oktober 1336 erfolgten Tode präsentiert Graf Johann von Katzenelnbogen den Kleriker Konrad von Braubach als Nachfolger, es ergibt sich aber, daß dem Grafen Johann keine Patronatsrechte zustehen, sondern diese nur von dem Grafen Wilhelm von Katzenelnbogen wahrgenommen werden können. Am 20. Februar 1337 weist darum Wicker Frosch, Kantor am St, Bartholomäusstift zu Frankfurt, als Schiedsrichter die Ansprüche Konrads von Braubach ab und spricht die Pfarrei Reinheim dem Geistlichen Johann zum Flozze, dem Sohne des verstorbenen Mainzer Bürgers Konrad zum Flozze zu.

Erst im folgenden Jahrhundert hören wir in einer Aschaffenburger Urkunde wieder von einem Reinheimer Pfarrer namens Eberhard („Ebirhardus plebanus"). 39) Es handelt sich hier um ein zwischen 1418 und 1433 entstandenes Schriftstück, in dem die Pfarrer, Rektoren und Vikare des Landkapitels Montat ihre Testamentsvollstrecker bestellen. In gleicher Weise werden in einer entsprechenden Urkunde, die zwischen 1441 und 1470 zu datieren ist, ein Johannes, „pastor in Rynheim", neben ihm Johannes Gotzmann, Altarist zu Reinheim, ferner ein Frühmesser Johannes Textoris und Johannes Schelhart, Altarist zuUeberau, genannt.40)

In einem katzenelnbogischen Landsteuer- und Bederegister aus dem Anfang des 15. Jahrhunderts werden unter „Rynheym die stad" die Geistlichen Herr Eberhard mit l/2 fl, Herr Heinrich, Herr Dylhelm und Herr Conrad mit je l fl veranlagt.

Für das Jahr 1423 ist ein Pfarrer JohannGruntin Reinheim bezeugt. 41) 1430 tritt Pfarrer JodocusKrummbächer hier seinen Dienst an. Wir wissen das aus einem von ihm am 26. März 1430 ausgefertigten Treubrief, demzufolge der dem Junker Johannes Graf zu Katzenelnbogen gelobt, die ihm verliehene Pfarrei ordentlich zu versehen, sich nicht ohne Wissen und Willen des Junkers oder seiner Erben vertreten zu lassen und sich dem Gericht des Junkers zu unterwerfen, auch die Untertanen nicht zu bannen oder vor ein geistliches Gericht zu ziehen. Ein solcher Revers läßt erkennen, wie sehr die Grafen bestrebt waren, in einer Zeit kirchlichen Verfalls - es war im Jahrhundert der vergeblichen Reformkonzilien - geordnete Rechtsverhältnisse zu schaffen. Man spürt, wie sich das Landeskirchentum als Notwendigkeit ankündigt. 42)

1440 wird Johannes Heltzmannals Pfarrer erwähnt. Im alten Währbuch der Stadt Reinheim 43) ist 1460 als Pfarrer Werner Menges aufgeführt. Er war vorher Kaplan in Gundernhausen und dann von 1467-1500 Pfarrer in Brensbach.

Auch der bereits als Altarist genannte Johannes Gotzmann ist als Pfarrer in Reinheim gestorben.

Das ergibt sich aus seinem noch vorhandenen Grabstein in der Ueberauer Kirche, der einen Geistlichen in Umrißzeichnung unter einem Maßwerkbogen zeigt, und dessen Umschrift lautet: Anno Domini MCCCCLXXX in praefesto nativitaits Marie obiit honorabilis dominus Johannes Gotzman pastor huius ecclesie cuius anima requiescat in pace amen (Im Jahre des Herrn 1480, am Tag vor dem Fest der Geburt Maria [7. September] starb der ehrenwerte Herr Johannes Gotzmann, Pfarrer dieser Kirche. Seine Seele ruhe in Frieden. Amen.) Es ist der einzige erhaltene Pfarrergrabstein aus der vorreformatorischen Zeit. Es ist anzunehmen, daß er sich stets in Ueberau, das Filial von Reinheim war, befunden hat, und auch, daß Pfarrer Gotzmann dort beigesetzt wurde, weil ihn wohl besondere Umstände mit dieser Kirche verbanden, etwa, daß er dort lange Zeit als Altarist Dienst getan hatte. Am 26. Februar 1493 verspricht Thomas Cerdonis, Kleriker aus dem Bistum Trier, in einem ähnlichen Treubrief, wie ihn 1430 Jodocus Krummbächer ausgefertigt hatte, dem Landgrafen Wilhelm von Hessen, der ihn auf die Pfarrei Reinheim präsentiert hatte, die Pfarrei würdiglich und gebührlich zu handhaben und einen Verteter nur mit Wissen des Amtmannes zu bestellen, auch die Untertanen nicht vor ein geistliches Gericht zu laden, sondern sich dem Gericht des Landes zu unterwerfen. Das Gelöbnis, sich nicht ohne Zustimmung der Behörde vertreten zu lassen, war darum so wichtig, weil in dieser Zeit der Pfründenhäufung viele Pfarrstellen nur dem Namen nach besetzt waren, ihr Inhaber aber, der oft das Einkommen mehrerer Pfarreien genoß, ganz wo anders residierte und den Dienst jeweils durch einen von ihm bezahlten Vertreter, meist einen Kaplan, versehen ließ. 44) Die letzte Präsentation vor der Reformation erfolgte durch den Landgrafen Philipp den Großmütigen von Hessen am 3. Juni 1523 auf den St. Jodocusaltar der Kirche zu Ueberau der durch freiwilligen Verzicht des landgräflichen Dieners Georg Nuspicker d. J. vakant geworden war. Vorgeschlagen wurde dem Propst zu Aschaffenburg der Priester ChristophLibinck von Reinheim. Die Urkunde darüber ist ausgestellt im Feldlager während der Belagerung der Ebernburg. Christoph Libinck gehört zur Sippe Liebig, die vormals in Reinheim ansässig war. Ihr entstammte auch der 1803 in Darmstadt geborene und 1875 in München verstorbene große Gelehrte Justus von Liebig. 45)

* Aus: Heimatbote für die evangelische Gemeinde Reinheim/Odenwald Juni-September 1962, S. 13-14.
38) Demandt, Regesten I, 852
39) Stiftsarchiv Aschaffenburg, U 4245
40) Stiftsarchiv Aschaffenburg, U 4279
41) W. Müller, Ortsnamenbuch, Starkenburg, S. 582
42) Demandt, Regesten II, Wiesbaden 1954, Nr. 3468
43) Stadtarchiv Reinheim
44) Heimatbote 1922,16.4. Or. im Staatsarchiv Darmstadt
45) Th. Meisinger, Reinheimer Vorfahren berühmter Männer, in W. Schröder, Stadt Reinheim i. Odw., 1950, S. 80