Geschichte



MÜHLEN UND MÜLLER IN REINHEIM
Heinz J. Reitz
(Quelle: "Der ODENWALD"; HEIMATKUNDLICHE ZEITSCHRIFT DES BREUBERG-BUNDES;16. Jahrgang; 1969; Heft 2)

In der Reinheimer Gemarkung gibt es noch die Gebäude von drei Getreidemühlen, die älteste ist die Castritius Mühle, die größte die Dieters Mühle und die jüngste die Leinerts Mühle. Die beiden älteren waren herrschaftliche Erbleihmühlen, während die Leinerts Mühle als Privatmühle gegründet wurde. Auch auf Hof Illbach gab es einmal eine Wassermühle.

Die Erbleihmüller hatten jährlich eine festgesetzte Pacht zu entrichten. Alle 15 Jahre oder wenn die Mühle den Besitzer wechselte, wurde der Erbleihbrief „renoviert"; dabei waren als Gebühr „so viel halbe Gulden, als viel Malter Korn ergiebet an Unsere Renterey"1) zum Weinkauf zu ent­richten. Wurde die Mühle verkauft, so war vom Erbkaufschilling ein Laudemiengeld „a 5 pro cento" zu zahlen2).

Aus einem Bericht des Johann Tobias Wolff, Bürgermeister zu Reinheim, aus dem Jahre 1674 ist zu erfahren, daß alle Müller, die Bürger der Stadt wurden „alle Schätzungen als Fürstl. Fräulein Steuer, Landsteuer, gemeiner Sätze, Contribution und Soldaten Steuern" gegeben und alle bürgerlichen Lasten getragen haben. Diejenigen aber, die keine Bürger wurden „hätten theils 3, 3 1/2 biß 4 1/2 fl. jährlich geben" müssen. Der Müller verrichtete seine Arbeit im Lohnwerk. Er nahm den Mahlgästen „mehr nicht als den gewohnten Molter". In einer Verordnung vom 27. Oktober 1623 bestimmte Landgraf Ludwig: „Die Müller sollen weiter nit dann das gewöhnliche Mölter, nemblich von einem Malter einen Kompf gestrichen, nicht am Mehl, sondern an der Frucht, wie die zur Mühlen bracht, und dann, wenn das Mehl gebeutelt, ein gestrichen Kompf Kleyen, und darüber weder an Geld oder anderm nehmen3)".

Castritius Mühle, früher Steitzen Mühle

Die Mühle lag östlich der Stadt „in dem gemeinen Bruch". Heute sind ihre Gebäude im bebauten Stadtgebiet aufgegangen. Der Mühlgraben zweigte in der Gewann „Auf dem Mühlbach" von dem Wembach ab und führte etwa 1,5 km neben dem Bachlauf zum Wasserrad.

Es ist anzunehmen, daß die Mühle ursprünglich Zubehör des Burghofes war, aber trotzdem für jedermann zur Benutzung offenstand4). Urkundlich wird sie erstmals 1330 erwähnt und ist den Grafen Dieter und Wilhelm v. Catzenelnbogen gemeinsam. Um das Jahr 1550 gibt der Müller 21 Malter Korn zu Pacht und 10 fl. für l Neujahrsschwein an das Amt Lichtenberg5). Aus dem schon erwähnten Bericht des Bürgermeisters Wolff erfahren wir, daß 1593 Peter Crayser von Nieder-Ramstadt diese Mühle hat; damals ist sie 950 fl. wert. 1594 kauft Hanß Ihmann, ein Müllerknecht von Lortzewei-ler über Rhein diese Mühle für 1050 fl. und im Jahre 1612 kauft Hanß Zäckeler die Mühle für 1000 fl. „1614 gab Jacob Geiß sein Guth hinweg und kaufte für 1000 fl. diese Mühle von Hanß Zäckeler." Hans Esserich, ein alter Mühlknecht, kauft 1619 diese Mühle für 900 fl. von seinem Schwiegervater Jacob Geiß. Von dessen Erben erwirbt der Schultheiß Johann Daniel Steitz im Jahre 1636 die Mühle für 350 fl.

Der Schultheiß schreibt am 12. September 1650 an den Landgrafen, um eine Herabsetzung der Mühlpacht zu erreichen: „. . . was gestalt ich bei hiesigem Stadtlein eine alte mühl uf der Wembach, welche sehr abgangen und verfallen, käuflich ahn mich bracht, welche hiebevor ... als Rheinheim noch ahn 130 Hausgeses gehabt ... 2 Gänge hat". Als er das schreibt hat Rein­heim nur noch „20 Hausgeses" und die Mühle nur noch einen Mahlgang. Im Erbleihbrief von 1671, der auf Hans Michel zu Ueberau und dessen Tochtermann Johann Georg Steitzen (den Sohn des Johann Daniel) ausgestellt ist, heißt es denn auch, daß die Mühle zuvörderst wieder in guten Stand zu bringen sei, „sodann und alle Jahr besonders, weil, dem Uns vormals verstatteten Bericht nach diese Mahl Mühle sehr in Abgang gekommen, und mit großen Kosten wieder in besseren Stand gesetzt werden müßen und auch Unsere zwischen Ueberau und Reinheim erbaute Mühl dieser Mahlmühle Abbruch thut, nicht weniger am Waßer zu heißen Sommerszeiten Mangel leidet, nur 8 Malter Korn, statt des alten Pfacht a 21 Malter, an guter marktreiner Frucht, und, anstatt der hiebevor gegebenen 10 fl. Schwei-nengeld, nur 4 fl., in 30 alb. Frankfurter Währung, ... in Unsere Renterey Lichtenberg, und zwar jedes Quartal den Vierten Theil . . . entrichten und bezahlen".

Castritiusmühle in Reinheim                           Photo: Reitz

Die Steitzen betrieben diese Mühle anscheinend nicht selbst, denn es hat sich ein Mühlbestandsbrief von 1670 erhalten6), in dem Johann Daniel Steitz seine Mühle auf 3 Jahre an den Johannes Wehner verleiht. In diesem Brief wird auch der vorherige Müller Heinrich Knorr erwähnt.

Im Jahre 1695 kauft Nicolaus Kilian die Mühle für 575 fl.7) und erhält auch den Erbleihbrief vom Landgrafen. 1709 verkaufen seine Erben die Mühle an Canzler Frhr. v. Schröder. Leinert8) erwähnt den Schröderischen Müller Johann Jörg Kilian, der 1716 ein Haus kauft. 1719 geht die Mühle an Ernst Moritz v. Pöllnitz über und ab 1761 gehört sie Ludwig v. Pöllnitz.

Ludwig baut 1796 eine Ölmühle, über die ein Schreiben des Amtmannes in Lichtenberg berichtet: „Die Wembach, auf welcher die Mühlen stehen, ist ein unbedeutendes Wasser, das in den Sommer Monaten und besonders bei trockener Witterung kaum die Mahlmühl im Gang erhält, deswegen hat Supplicant die neu erbaute Ölmühle so angelegt, daß sie bey Wassermangel durch Pferde, durch die Wembach nur bey hinreichendem Ueberflus an Wasser getrieben wird." Für die Ölmühle werden zur Pacht 5 Gulden bezahlt.

1808 wird die Mühle mit Zubehör versteigert. Johann Heinrich Castritius aus Sprachbrücken ersteigert die Mühle für seinen Sohn Philipp für den Preis von 4960 fl. Nach dem Erbleihbrief hat dieser die alte Pacht von 21 Malter Korn, 10 fl. Schweingeld und 5 fl. für die Ölmühle zu entrichten. Philipp Castritius reicht verschiedene Gesuche um Herabsetzung der Mühlenpacht ein und erlangt schließlich einen Nachlaß auf 18 Malter, l Simmer, 2 Kumpf, 3 Gescheid, 2 Mässchen Korn, 10 fl. Schweingeld und 5 fl. für die Ölmühle. Die Trockenlegung der Wembacher Teiche, 1835, führt zu einer weiteren Beeinträtigung des Mühlenbetriebes. Danach strebt Castritius die Aufhebung des Erbleihvertrages an. Er erhält die Allodifikationsurkunde am 27. Juni 1837, wodurch ihm die Mühle für 1500 fl. in freies Eigentum übergeben wird.

Wann die Ölmühle aufgegeben wird ist nicht bekannt.

Als die Knopfmacherei in Reinheim in den Jahren 1850—60 in hoher Blüte stand, war hier an ein Wasserrad ein Schleiffaß angebaut, das vom Volksmund „Knopfhäuschen" benannt wurde. Darin wurden die abgedrehten Knöpfe mit Wasser und Bimsstein und danach mit Wasser und gemahlener Kreide geschliffen.

Nach dem Tode des Philipp Castritius (L), 18439), erhält sein Sohn Johann Philipp (II.) und 1864 dessen ältester Sohn Johann Philipp (III.) die Mühle. Nach seinem Tod im Jahr 1880 wird die Mühle von seiner Witwe, einer geborenen Buxmann, weiter betrieben und 1885 versteigert. Für 30 000 Mark erhält Anna Matthes, geb. Buxmann aus der Schloßmühle zu Ober-Ramstadt den Zuschlag. Die Mühle wird 1902 stillgelegt. Das Anwesen geht nach ihrem Tode 1957 an ihre Erben über.


Dieters Mühle oder Überauer Mühle

Sie heißt in den Urkunden auch Knorrsche Mühle und liegt zwischen Reinheim und Überau an der Gersprenz, dicht an der Gemarkungsgrenze. Der Mühlgraben zweigt in der Flur „Am Wehr", etwa 900 m oberhalb der Mühle, ab.

In einem Erbleihbrief von 1623 erlaubt Landgraf Ludwig „Philip Kolb und Christman Scheimbachen (Bürgern zu Reinheim), eine Mühle mit zweyen Gängen zu bauen", die sie auf eigene Kosten errichten und auch unterhalten sollen. Hierzu verleiht er beiden gleichzeitig einen „Wasserfall zu zweyen Mahlgängen1)". Nachdem die Mühle fertig ist, müssen die beiden Müller zusammen jedes Jahr „uff Martini episcopi (I.November) 40 Malter Korn geben, zwei Mühlschweine mästen oder für jedes 10 Gulden zahlen und anstatt zwei Hunde zu unterhalten für jeden 11 Gulden abliefern und zwar an die Kellerei Lichtenberg oder Darmstadt.

Im Jahre 1631 verleiht der Landschreiber Johann Daniel Weitzel die Mühle für neun Jahre dem „ehrsamen Johann Müller von Crombach" mit der Pacht von 58Vz Malter Molzerfrucht. Auch dieser Müller scheint nicht lange die Mühle besessen zu haben, denn es kam 1635 die dunkle Zeit für das Gersprenztal. 1641 beginnt Georg Wehner, Müller und Bürger zu Reinheim, wieder auf der Mühle zu arbeiten. Er schreibt in seinem Kostenverzeichnis: „. . . als dieselbe bey dem verderblichen Kriegswesen gantz ahm Wehr durch und abgerissen, auch sonsten am Wasserrath gantz verfallen geweßen, daß in etlich Jahren niemands drin gewohnt." In seiner Aufstellung vermerkt er „erstlich gab ich dem Zimmermann Lorentz von bieberawen daß er daß waßerrath, baumwell und schützbreder wieder gebessert ahn Kost und Lohn geben 8 fl. 5 alb.". Um das Wehr wieder herzustellen fährt er mit seinen beiden Pferden und Wagen „uff 4 Wochen, wie (er) auch 4 tag wägen verlohnet, die soviel steine von uberaw dazu (brachten) als man wohl ein hauß mit bawen het können." Nach verschiedenen anderen Aufwendungen kommt er zu einer Summe von 284 fl. 15 alb. Hierfür erhält er einen Pachtnachlaß auf 5 Jahre. 1646 wird ihm die Mühle verliehen und er hat nach den Jahren mit geringerer Pacht 25 Malter Korn abzuliefern.

1663 wird ein Erbleihbrief auf Henrich Knorr und seine Ehefrau Anna Catharina ausgestellt. 1693 ist die Mühle „Henrich Knorren seel. Nachgelassenen Kindern" verliehen. Jetzt wird die Mühle vom ältesten Sohn Johann Nicolaus betrieben. Dieser verkauft 1695 für 600 fl. die Hälfte der Mühle an Friedrich Ganß zu Nieder-Ramstadt, seinen Schwager „umb die nöthige reparation der Mühl besser bewerkstelligen zu können". Beide betreiben danach die Mühle gemeinsam.

1711 geht die Mühle an Johann Conrad Gehbauer über, der Knorrsche Teil für 794 fl. und der Ganßsche Teil für 915 fl. Der neue Müller verkauft das Anwesen 1726 für 2600 fl. und zieht auf die Stadtmühle zu Groß-Umstadt.

Der Käufer ist Johann Nicolaus Brenner, Müller auf der Lützelforstmühle bei Groß-Umstadt, der seinen Sohn Johann Michael als Müller einsetzt. Dieser bricht die Gebäude wegen Baufälligkeit 1729 ab und baut die Mühle mit 3 Gängen wieder neu auf. Er verbraucht, nach einer vorhandenen Rechnung, 2561 fl. 24 alb., außerdem läßt er noch das Wehr für 900 fl. reparieren. Johann Michael Brenner bittet vergebens um „Erlaßung der auf dieser Mühle haftenden jährlichen Pfacht zu seiner Erholung". Nach dem Ableben des Vaters wird die Erbleihe 1741 auf ihn renoviert. Bei seinem Tode 1750 wird die Mühle „aufgesteckt und versteigert", da diese mit etwa 2000 fl. Schulden belastet ist. Als Meistbietender erhält der Bruder des Verstorbenen, Johann Georg Brenner, von der Lützelforstmühle, für 6212 fl. die Mühle. Dieser kann die Mühle nicht halten, „da die Töchter frühzeitig verheiratet worden und auf Ablage ihrer Erbteile gedrungen". Er verkauft die Mühle nach l'/s Jahren für 5800 fl. an Johannes Dieter, den Schleifmüller zu Nieder-Ramstadt.

Dieter erscheint später als Müller zu Waschenbach10). Er setzt seinen ersten Sohn, Johann Martin, in den Besitz der Mühle. Nach fünf Jahren ist der Vater „genöthiget, um Wehr und Wasserbau vor gänzlichem Verderben zu retten, ihn auf eine geringere Mühle zu thun". Darauf setzt er seinen zweiten Sohn, Georg Wendel, ein, der auch 1791 mit der Mühle belehnt wird. 1815 wird dessen Sohn Johann Georg Dieter mit der Mühle belehnt und nach seinem Tode wird 1828 der Erbleihbrief auf seine Witwe ausgestellt. Diese erreicht auch die Allodifikation, die am 30. März 1841 für 3336 fl. Rheinische Währung durchgeführt wird.

Wagner11) bezeichnet den Betrieb auch als Ölmühle, dafür finden sich in den Urkunden jedoch keine Anhaltspunkte. Im 19. Jahrhundert wird eine Sägemühle, vielleicht als Nachfolgebetrieb für die Ölmühle, eingerichtet.

Nach der Allodifikation erhält Johannes Dieter die Mühle9), er gibt 1883 den Betrieb an seinen Sohn Johann Friedrich weiter. Dieser war schon einige Jahre vorher als Müller auf der Tannenmühle. Er läßt einen Dynamo in die Mühle einbauen, so daß 1895 Uberau mit elektrischem Strom versorgt werden kann. 1911 ersetzt er die Wasserräder durch eine Turbine, der 1923 noch eine zweite folgt. Im Jahre 1937 übernimmt die HEAG die Stromversorgung in diesem Gebiet.

Georg Anton Dieter erhält 1918 die Mühle. Er modernisiert den Betrieb, baut einen Dieselmotor und Walzenstühle ein und führt sie bis zu seinem Tode 1953. Danach wird die Mühle stillgelegt, das Anwesen ist heute im Besitz seiner Witwe.


Leinert Mühle

Die Mühle, Grabenstraße l, wurde 1814 auf dem Gelände des ehemaligen Walles erbaut. Die Erbauerin ist die Witwe des Georg Wendel Dieter, Elisabeth Katharina, geb. Michel von der Dieters Mühle, gewesen.

Das Land für den Mühlenbauplatz wurde von dem damaligen v. Pöllnitzschen Lehngut erworben. Aufgrund eines Großherzoglichen Decrets vom S.Oktober 1814 war der „jedesmalige Besitzer der eigenthümlichen Mühle verbunden jährlich um Martintag Vier Malter Korn Darmstädter Maas" oder den Betrag in Geld „für die Benutzung des Wasserfalls für einen Mahlgang an die Großherzogliche Rentey Lichtenberg zu entrichten". Die Mühle wurde bis 183311) von Georg Wendel Dieter, einem Sohn der Erbauerin, geführt und ging an dessen Sohn Johann Franz über, der diese bis zu seinem frühen Tod 1866 gehabt hat.

Danach kam die Mühle an Philipp Leinert. Er stellte 1885 einen Dampfkessel zum Betrieb der Mahlmühle bei niedrigem Wasserstand auf. Heinrich Philipp Leinert modernisierte den Betrieb, stellte einen Dieselmotor auf und baute Walzenstühle ein, er führte die Mühle bis zu seinem Tode 1952. Seine Witwe führte den Betrieb noch einige Jahre weiter bis sie den Mahlbetrieb aufgab.

Eine Mühle zu Illbach wird 1368 erwähnt, als Diethmar v. Ulbach seine Mühle mit Willen seines Bruders um 100 fl. erblich an Graf Wilhelm v. Catzenelnbogen verkauft5). Ihr ehemaliger Standort dürfte in der Nähe des heutigen Illbacher Teiches zu suchen sein.

An der Geschichte der Reinheimer Mühlen zeigt sich die Entwicklung der Kundenmüllerei in unserem Raume. Die günstige Entwicklung dieses gewerblichen Betriebssystems setzte ein fruchtbares Land mit Ackerbau betreibender Bevölkerung voraus. Auch der Müller lebte zum Teil vom Ertrag seiner Landwirtschaft. Diese Betriebsform bewältigte in der vorindustriellen Zeit die Mehlbereitung.

Die in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts entstehende Handelsmüllerei, die sich auf neue technische Mittel (Amerikanische Kunstmühlen, Paternosterwerke) einstellte und sich der neuen Verkehrsmittel bediente, war die erste Konkurrenz der kleinen Kundenmühlen. Anstrengungen zu einer Modernisierung und Umstellung auf andere Betriebszweige (Sägemühle, Elektrizitätserzeugung) wurden unternommen, mußten aber zwangläufig in bescheidenem Rahmen durchgeführt werden.

Um die Jahrhundertwende bewirkte dann die Konkurrenz der Großmühlen (Walzenstuhl, Kapitalkraft, Massenfabrikation), der auch die kleineren Handelsmühlen Schritt zu halten versuchten, einen weiteren Rückstand der Kundenmühlen.

Die fortschreitende Technisierung machte dann die mit Wasserkraft arbeitenden Sägemühlen oft unrentabel, es entstanden große Dampfsägewerke. Die Einführung des Wechselstromes (HEAG) nahm den gleichstromerzeugenden, turbinengetriebenen Generatoren in den Wassermühlen die Existenz. Viele Landwirte übernahmen die Herstellung von Schrot zu Futterzwecken auf eigenen elektrischen Schrotmühlen.

So heißt es denn bei Max Fromm12): „Der Niedergang der Lohnmüllerei ist nicht vor allem deshalb zur Notwendigkeit geworden, weil sie eine technisch zurückgebliebene Betriebsform ist, sondern weil sie den veränderten ökonomischen Verhältnissen nicht mehr entsprach".

Anmerkungen:
1) Staatsarchiv Darmstadt — Min. d. Fin. B. — Nr. 114 — 119 (Mühlakten Rein­heim).
2) näheres über Erbleihe bringt: Strauch, Walter: Das Mühlengewerbe in der ehe­maligen Obergrafschaft Katzenelnbogen. Diss. Frankfurt 1930. S. 27 ff.
3) nach Strauch, W.: a. a. O. S. 66.
4) Dertsch, R.: Die Mühle, in: Dt. Gaue, Bd. 25, Kaufbeuren 1924.
5) Müller, Wilhelm: Hessisches Ortsnamenbuch, Bd. I Starkenburg. Darmstadt 1937.
6) Stadtarchiv Reinheim: Abt. X, Abschn. 2, Konv. 3, Fase. 1.
7) ebda: Gerichtsbuch, (Abt. X, Konv. 2).
8) Leinert, Gg.: Alte Reinheimer Häuser und ihre Besitzer. Darmstadt 1968. S. 40. Sonderdruck a. d. Heimatboten f. d. ev. Gemeinde Reinheim.
9) Die folgenden Daten entstammen dem Familienregister aus dem Ev. Pfarr­archiv Reinheim.
10) vgl.: Kunz, Rud.: Die Mühle zu Waschenbach. in :Der Odenwald, 14. Jg. 1967, Heft l, S. 26.
11) Wagner, G. W. J.: Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Groß­herzogtums Hessen. Bd. I. Starkenburg Darmstadt 1829.
l2) Fromm, Max: Das Mühlengewerbe in Baden und in der Rheinpfalz. — Volks­wirtschaftliche Abhandlungen der Bad. Hochschulen. 9. Bd., 4. Heft. Karls­ruhe 1907.