Kirche, Kultur und "sonstige Einrichtungen"


Das alte Rathaus - heute Grundschule

Das Ueberauer Rathaus im Jahre 2003, das seit langem als Schule genutzt wird
(im Hintergrund der Kirchturm der ev. Kirche)


Ein weiterer Blick in der Wilhelm-Leuschner-Straße auf die ev. Kirche
Das alte Fachwerkhaus in der Bildmitte wurde 1898 durch einen Neubau (Schulhaus) ersetzt; siehe Bild oben
Der Ueberauer Dorf-Mittelpunkt mit Besatzer-Soldaten vor 120 Jahren. Im Jahre 1866 - Juli/August - durchzogen
abwechselnd Bundestruppen oder auch Preußen Ueberau und Reinheim (Friedrich Kopp 1902)

Aus der Zeitschrift "DER ODENWALD" des Breuberg-Bundes (24. Jahrg. Heft 2, 1977):
Winfried Wackerfuß

HEIMAT IN ALTEN FOTOGRAFIEN: ÜBERAU

Mit dem Abdruck des nebenstehenden Bildes (s.o.) wird eine Reihe begonnen, in der alte fotografische „Ansichten" abgebildet und beschrieben werden sollen. Dabei werden in erster Linie Aufnahmen von historisch topographisch bedeutsamen Partien berücksichtigt, vor allem dann, wenn sich die Situation in der Zwischenzeit grundlegend verändert hat (z.B. durch Sanierungsmaßnahmen etc.) und somit das alte Foto zum unentbehrlichen einmaligen Dokumentationsmittel wird. In Anbetracht des Alters solcher Fotos ist es verständlich, wenn hierbei bisweilen auch qualitative Unzulänglichkeiten in Kauf genommen werden müssen.

Den Mittelpunkt dieser topographisch interessanten Aufnahme bildet, teilweise verdeckt durch ein Fachwerkhaus, die hochgelegene Kirche im alten Ortskern von Überau, der durch die Gabelung der alten Wege nach Brensbach und Reinheim markiert wird. Der Standort des Fotografen war die heutige Wilhelm-Leuschner-Straße, ungefähr in Höhe der Einmündung des „alten Weges" in dieselbe.
Das der Familie Delp gehörige Fachwerkhaus in der Bildmitte wurde vor der Jahrhundertwende samt weiteren da­zugehörigen Gebäuden abgerissen. An dieser Stelle erhebt sich heute das 1898/99 erbaute Schulhaus. Davor ist ein alter Pumpbrunnen mit Trog zu erkennen.

Rechts davon führt, etwas verdeckt durch ein Pferdegespann, die Straße nach Reinheim (heute Wilh.-Leuschner-Str.). Links hinter dem Delpschen Haus ist im Anschluß an ein scheunenartiges Gebäude noch die Mauer des alten Friedhofs zu sehen, auf dem 1841 letztmals eine Beerdigung stattfand. Daran vorbei führt der Weg durch „die Hohl" über die „Hundertmorgen" nach Brensbach (Brensbacher Straße). Ein entsprechender Wegweiser vor der linken Ecke des Delpschen Fachwerkhauses weist darauf hin.

Unter den Pferdegespannen auf der damals noch gepflasterten Dorfstraße stellt das kleine einspännige Wägelchen rechts im Vordergrund, vor der Knellschen Hofreite mit dem großen Torbogen, in kulturgeschichtlicher Hinsicht ein Kuriosum dar. Nach Auskunft älterer Gewährsleute soll es dem "Bech-Päirer" (Pech-Peter) aus Brensbach gehört haben, der mit diesem Gefährt über Land zog und seinen Kunden (Schustern) das Pech ins Haus lieferte.

Möglicherweise datiert die Aufnahme aus dem Jahre 1866, also genau 550 Jahre nach der urkundlichen Erstnennung überaus, genauer gesagt des Hofs des Werner von Lißbergs, „in dem", nach Wortlaut der Urkunde, „die Kirche steht". Der Fotograf soll nämlich ein Soldat der teilweise auch in Überau einquartierten Bundestruppen gewesen sein, die sich nach der Niederlage in der Schlacht bei Laufach am 14. Juli 1866 vor den Preußen auf dem Rückzug befanden. Auf jeden Fall hält das Bild den Zustand der Kirche mit ihrem zweigeschossigen Turm vor ihrer Wiederherstellung im Jahre 1883 fest. In diesem Jahr wurde der massive quadratische Turm um 16 Fuß erhöht und erhielt damit sein heutiges Aussehen.
Für die Bereitstellung des Bildes sowie für aufschlußreiche Angaben dazu ist Herrn H. Möges/Überau herzlich zu danken.



Schild am "alten Rathaus", das auf das Hundertjährige Jubiläum der Grundschule im Jahre 1999 hinweist



Das alte Rathaus - aufgenommen aus einer anderen Perspektive